Der weißrussische Volksschriftsteller Wassili Bykow

Wassili Bykow

Ohne Wassili Bykow - zum ersten Todestag


Am 22. Juni jährt sich der Tag des Todes des belarussischen Volksschriftstellers Wassili Bykow. In diesem Zusammenhang wurde vom Schriftstellerverein und der Belarussischen Staatlichen Universität eine internationale wissenschaftliche Konferenz abgehalten. Es wurde auch ein Dokumentarfilm über den Schriftsteller gedreht und wurden vier Bücher, von Bykow und über Bykow, herausgegeben.

Bereits im Mai gab der Belarussische Dienst des Radiosenders Swoboda das Buch „Bykow auf Swoboda“ heraus. Seine Vorstellung fand im Haus des Literaten statt. Am Abend waren nicht nur namhafte belarussische Literaten, sondern auch Chefs der diplomatischen Missionen der USA und Litauen, die Reden auf belarussisch hielten, anwesend. Der US-Botschafter George Crawl sagte über Wassili Bykow folgendes:”Er war nicht nur ein hervorragender belarussischer Schriftsteller, sondern auch ein großer Mensch, der allen Nationen der Welt gehört, weil er nicht nur seinem schönen und alten Land sondern auch allgemein menschlichen Werten, Wahrheit, Ehre und Humanismus, gedient hat. Deshalb können alle Menschen sein Andenken in Ehren halten und sein Vorbild nutzen.”

Im präsentierten Sammelband “Bykow auf Swoboda” sind Interviews von Wassily Bykow dem Radiosender “Swoboda” gesammelt. Allerdings, wie der Verfasser Sergej Naumtschik im Schlusswort der Ausgabe schrieb, sind bei weitem nicht alle Interviews Bykows veröffentlicht, weil das Audioarchiv von „Swoboda“ erst seit 1995 systematisch geführt wird. Das einzige Interview des Schriftstellers im Jahre 1991 z. B. ist nach abgehörten “Swoboda“-Rundfunksendungen geschrieben. Die Rundfunkabhörung wurde vom jeweiligen Geheimdienst speziell für hochrangige Leiter durchgeführt. Die aufgenommenen Materialien wurden an das ZK, an den Ministerrat und an das Komitee für Staatssicherheit (KGB) geschickt. Die Materialien des Buches umfassen den Zeitraum seit Anfang der 90er bis zum Sterben des Schriftstellers und damit verbundene gesellschaftliche Resonanz und Reaktion der belarussischen Machthaber auf Schilderung seiner Beerdigung von den Massenmedien.

Noch eine Ausgabe Bykows ist das Buch “Ausgewählte Werke“, das in dem Verlag Moskaus Martin herausgegeben wurde. Sein Verfasser ist der belarussische Literat und Maler Wladimir Siwtschikow. Das Buch beinhaltet die dem russischen Leser bekannte und nicht bekannte Erzählungen; die Bykow von 1970 bis 2001 geschrieben hat. Es sind “Sotnikow”, “Das Obelisk”, “Zeichen des Unglücks“, „Kälte“, „Wolfgrube“, „Sumpf“. Das Buch umfasst auch Stories und Gleichnisse der letzten Jahre, einige von denen wurden zum erstenmal ins Russische übersetzt und im Buch herausgegeben. Auch in die Ausgabe des Vereins der belarussischen Schriftsteller und der belarussischen literarischen Fonds wurden wenig bekannte Werke Bykows, die während dieses Jahres in der Literaturzeitschrift “Dsejaslou“ veröffentlicht wurden, und die Werke, die bisher nicht publiziert wurden.

Gleichzeitig hat die gesellschaftliche Vereinigung Kniga das Memoirenband „Unser Bykow“ herausgegeben, dessen Verfasser einer der engsten Freunde Bykows, Dichter Gennadi Burawkin war. Als Autoren der Lebenserinnerungen traten die Schwester des Schriftstellers Walentina Wladimirowna, Sohn Wassili Bykow, Dichter Rygor Borodulin, Mikola Awramtschik, Anatol Wertinski, Walentin Taras, Danuta Bitschel, Wladimir Nekljaew, Sergej Sakonnikow, Dmitro Pawlytschko, Prosaschriftsteller Anatol Kudrawets, Wiktor Kasko, Walentin Blakit, Witautas Petkjawitschjus, Mikolas Slutskis, Sokrat Janowitsch, Kinodramatiker Wladimir Halip, Kritiker Dmitri Bugaew, Lasar Lasarew, Walentin Oskotski, Maler Leonid Stschemelew, Gawriil Wastschenko, Akademiemitglied Radim Goretski, Akademiemitglied der Internationalen Akademie der Astronautik Boris Kit, Parteiführer des Belarussischen Volksfronts Senon Pasnjak...

Die Wohnorte der Autoren sind verschieden:Weißrussland , Russland, die Ukraine, Litauen, Deutschland, Tschechien, Kanada. Übrigens fehlen im Buch Erinnerungen einiger Menschen, die der Verfasser gern eingetragen habe, so Gennadi Burawkin. In erster Linie werden zwei große Schriftsteller Tschingis Ajtmatow und Abdishamil Nurpeissow gemeint. Der erste hat viel zu tun gehabt, der zweite hat sich nicht finden lassen. Es fehlen auch die Erinnerungen Grigori Baklanows, des bekanntesten russischen Schriftstellers und eines der ersten Rezensenten Bykows, aber aus dem triftigen Grund. Baklanow wurde in diesem Jahr einer schweren Operation unterzogen. Leider gibt es auch keine Erinnerungen von drei bekannten Belarussen, Stanislaw Schuschkewitsch, Nil Gilewitsch und Igor Lutschenok. Sie waren einverstanden, für das Buch zu schreiben, aber sie konnten die Materialien rechtzeitig nicht vorlegen. Trotzdem, nach Meinung Burawkins, ist ihm das Buch zweifellos gelungen. Dabei ist es sowohl in faktologischer Hinsicht, als auch in literarischer Hinsicht interessant, weil mehrere Erinnerungen wirklich echte und große Literaturwerke sind. Das heißt, das Buch stellt ein Literaturdenkmal in jeder Bedeutung dieses Wortes dar.

Es sei aber zu betonen, wenn alle oben erwähnten Bücher den Lesern und Anhängern der Werke Wassili Bykows zugänglich sind, so wurde der Dokumentarfilm „Heimfahrt..Requiem“, der im Studio in Minsk Tatjana von Nikolaj Dinow und Irina Pismennaja gedreht wurde, zur Vorführung nicht freigegeben. So fiel die Entscheidung des belarussischen Staatsregister unter der Leitung von Juri Tswetkow aus. Im Film erzählen über Wassili Bykow Rygor Borodulin, Gennadi Burawkin, Anatol Wertinski, Walentin Taras und Wladimir Mechow. Aber was zum Vorführungsverbot des Films in Weißrussland veranlasste, blieb im Prinzip nicht ganz klar. Auf jeden Fall kann die offizielle Formulierung des Staatsregisters kaum als eindeutige Erklärung dienen: „...im vorgestellten Film wird vom Schriftsteller Wassili Bykow nicht erzählt, und der Film selbst kann auf moralische und ethische Lebensgrundlagen des belarussischen Volks negativ einwirken.“

So oder so, aber den Film haben sich schon viele Zuschauer in Weißrussland und im Ausland angesehen. Aus zuverlässiger Quelle ist bekannt, dass man in Moskau und im Baltikum mit „Requiem“ schon vertraut gemacht hat. Die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung hat für den Film auch Interesse bekundet.


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