Menschen aus Minsk - Wladimir Shbanow

Die Skulptur des Wladimir Shbanowsin Minsk

Bildhauer Wladimir Shbanow


Der bescheidene Bildhauer Wladimir Shbanow gerät jedes Mal in Verlegenheit, wenn er „Gründer“ der neuen städtischen Bildhauerkunst genannt wird. Nichtsdestoweniger war das er, der als erster Gußstücke aus Bronze ohne zimperliche Sockel in den Minsker Straßen untergebracht hat. Solche, die dem Auge eines jeden Stadtbewohners der Welt bereits gewohnt, bei uns aber nicht vorhanden waren, bis sich Shbanow endlich dazu entschlossen hat.

Um der Gerechtigkeit willen muss man eigentlich erwähnen, dass auch die Stadtverwaltung dazu ihr Wort gesagt hat. Gerade bei der Sanierung der Michailowski-Parkanlage, hinter der Stadtverwaltung unweit des Bahnhofs gelegen, siedelte sich dort, ja mit dem Segen des damaligen Bürgermeisters, die „Minskerin“ - eine bronzene junge Frau mit langen Beinen, sitzend auf einer Gartenbank. Der Bildhauer gibt sein Geheimnis preis, dass eine Balletttänzerin dafür Modell gesessen hatte, und dass er das Kunstwerk selbst für sich, sozusagen, „für das Atelier“ geschaffen hatte: damals ließ es sich kaum vermuten, dass ein passender Platz dafür gefunden werden konnte.

Wladimir Shbanow war ansonsten ein üblicher Bildhauer, ehemaliger Teilnehmer des Krieges im Afghanistan. Dank dieser Tatsache war er übrigens überhäuft mit Aufträgen für Denkmäler zu Ehren der Kämpfer im Afghanistan, die einst sehr rege überall im Lande errichtet wurden. Rein materiell gesehen, ist es Shbanow niemals schlecht gegangen. Der Geist des Künstlers verlangte aber nach etwas Größerem. Also schuf er winzige Entwürfe „luftiger“, wie nur Bronze solche formen lässt, poetischer Skulpturen. Die „Minskerin“ erblickte fast zufällig ein Architekt, der gerade mit der Sanierung einer Parkanlage beauftragt war. Und sie wurde akzeptiert. Ihr folgte der „Falterregenschirm“, ein plastisches Porträt des prominenten erfolgreichen Filmproduzenten Wladimir Golynski, einer bekannten Persönlichkeit in der Welt der Boheme. Er starb eines plötzlichen Todes, ohne die Enthüllung der Skulptur, die er selbst bezahlt hatte, miterlebt zu haben, dennoch ging damit sein Traum in Erfüllung, indem er sich Minsk in einer solch lustigen Verkörperung als Geschenk präsentiert hat. Die dritte Skulptur in der winzigen Parkanlage am Bahnhof sollte logischerweise ein Kind werden. Da erschien es auch – ein wehrloses kleines Mädchen unter dem durchlöcherten Falterregenschirm. Das war die Reaktion des Bildhauers auf die widersinnige Tragödie in der Fußgängerunterführung der U-bahnstation „Nemiga“ in Minsk, wo 53 junge Leute, meist Mädchen im Alter von 15-17 Jahren, im Gedränge umgekommen waren.

Shbanow wurde zum anerkannten Meister der städtischen Bildhauerkunst. Darum ist es kein Wunder, dass die Stadtverwaltung bei der Sanierung des Minsk ausgerechnet diesen Künstler anspricht. Am Marktplatz von „Komarowka“ ließ sich ein ganzes Ensemble von Plastiken nieder: ein Fotograf, ein Fräulein, ein Marktweib, Gänse am Brunnen, ein Pferd! Im Innenhof des Stadtbades Nr. 1 fand ein bronzener Bademeister seinen Platz. Auf dem Bahnhof erscheint bald eine junge Dame, die alle Abreisenden verabschieden wird. Und vor kurzem auch in Mogilew tauchte Shbanows Sterngucker auf dem Platz des Sterns auf, umringt von allen Sternzeichen des Tierkreises.


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