Weißrussland - Museum Wassili Bykows

Museum Wassili Bykow

Im Heimatort Wassili Bykows wurde sein Museum eröffnet


Zum 80-jährigen Jubiläum des belarussischen Schriftstellers Wassili Bykow wurde das Landgut-Museum Wassili Bykows in seinem Heimatort, im Dorf Bytschki des Kreises Uschatschi eröffnet. Allerdings lässt sich dieser Museumskomplex ein Landgut mit Vorbehalt nennen. Auf einem kleinen Gelände befinden sich bloß ein bescheidenes Haus und zwei landwirtschaftliche Bauten, die auf Anordnung der Behörden Witebsks neu gebaut wurden.

Das Haus selbst, in dem der künftige Schriftsteller seine Kindheit vor dem Krieg verbrachte, wurde von seinem Vater Wladimir Fjodorowitsch Bykow innerhalb von mehreren Jahren gebaut. In dieses Haus (Hata auf belarussisch) zog die Familie Bykows 1932 oder 1933 um. Davon erzählt die Schwester des Schriftstellers Walentina Wladimirowna, die im Juli 78 Jahre alt wurde.

Die Bykows bezogen das neue Haus, als es noch nicht bis zu Ende gebaut war. Erste Jahre war hier sogar der Lehmboden. Wassil Bykow wohnte hier erst ein paar Jahre, noch vor dem Krieg fuhr er nach Witebsk zum Studium. Danach kamen vier Kriegsjahre, dann der Militärdienst, die Demobilisation, Minsk, Grodno, wieder Einberufung zum Militärdienst, Rückkehr nach Grodno, Umzug zum ständigen Wohnsitz nach Minsk. Also wohnte Wassil Bykow in Bytschki seit den 40er Jahren nicht mehr. Nur manchmal kam er ins Dorf auf kurze Zeit, um Verwandte und den Heimatort zu besuchen. Als die Eltern des Schriftstellers starben, stand das Haus leer. Der Bruder Mikola zog ins Haus um, wo die Grundschule vor dem Krieg war, die Wassil zwei Jahre besuchte. Walentina wurde verheiratet und übersiedelte ins Dorf Woltscho desselben Kreises Uschatschi. Dabei fragte man Wassil Wladimirowitsch, was mit dem alten Haus zu tun sei. Vielleicht lohne es sich, eine Reparatur zu machen? Bykow antwortete kathegorisch:“Niederbrennen“. Aber das Haus blieb stehen und verfiel langsam. Als es im April 2004 abgerissen wurde, stürzten schon die Decke und der Fussboden in der Mitte ein.

Das Haus war klein, bestand aus einem kleinen Korridor und einem Zimmer, das Wladimir Fjodorowitsch mit einer Zwischenwand in eine Küche und ein Wohnzimmer geteilt hatte. Als die Bauer das Haus ausbauten, erhielten sie nur den Ofen aufrecht. Aber als sie seinen Zustand wahrnahmen, wurde der Ofen neu umgesetzt. Hofbauten, Stall und Punja, wurden abgerissen. An dieser Stelle wurden Fundamente gelegt, die es früher hier nicht gab, wurden neue Holzgerüste gebaut. Das neue Fundament unter dem Haus war höher als das frühere, deshalb musste die Außentreppe höher gebaut werden. Obwohl der neue Herr, Direktor des Museums des Volksruhmes Uschatschi Mikola Kirpitsch behauptet., dass die neuen Bauten ganz genau nach den früheren errichtet worden seien, stimmt es doch nicht. Kirpitsch hat z. B. auf der Einhaltung der älteren Abmessungen der Eingangstüren bestanden. Nach den modernen Standards soll der Eingang zwei Meter zwanzig Zentimeter hoch sein. Bei dem Streit darum fragte man Kirpitsch:“Sie selbst sind so hoch von Wuchs, wie Sie das Haus betreten würden?”-„So wie Bykow“,-antwortete Kirpitsch. Trotzdem, wie Walentina Wladimirowna Bykowa sagt, sei die Decke höher geworden. Ihr Vater habe die Decke in der Mitte des Trägers gelegt, nun liege diese höher. Auch die Holzstämme seien nicht behaut gewesen. Früher fehlte der Zaun, nun ist das ganze “Landgut” umzäunt. Darüber hinaus ist aufseiten der Nachbarn ein hoher dichter Zaun nach nicht belarussischer, sondern russischer Architekturtradition gebaut. Früher ging der Schornstein auf das Dach von der Straße an hinaus, nun vom Hof an.

Nebenbei gesagt, hat gerade Walentina Wladimirowna mehrere Tage nacheinander Vorhänge für das Museum angefertigt. Diese sollten denen vor über 50 Jahren gleichkommen, die sie selbst aus Zeitungen und Binden herausgeschnitten hat. Nun aber wurde anstelle der Binden Mull angewandt. Sie auch zeigte auf Bitte von Mikola Kirpitsch, was wo stand, wo hörzerne Betten und Tische standen, wo Mühlsteine lagen, wo der Spinnrocken stand...Die echten Exponate des Museumslandgutes, die aus der Zeit Wassili Bykows stammen, können an einer Hand abgezählt werden: zwei Schemel, eine Ofenklappe, Feuerhaken und Ikone der Mutter Gottes, die in den letzten Jahren im Haus Mikolas und seiner Frau Antoninas aufbewahrt wurde. Hier ist auch das Porträt Wassili Bykows aus der Kriegszeit zu sehen, das im Haus seines Bruders gefunden wurde. Außerdem wachsen neben dem Haus eine Eiche und ein Ahorn, die einmal vom Bruder des Schriftstellers gepflanzt worden sind. Und in der anderen Seite der Straße ist der wilde Garten, Büsche und ein paar Apfelbäume, noch zu sehen. Es ist alles, was vom früheren Garten Bykows übriggeblieben ist. Es ist dieser Garten, der auf den Standort des alten Hauses zeigt, in dem alle Kinder von Anna Grigorjewna und Wladimir Fjodorowitsch: Wassil, Walentina und Mikola zur Welt gebracht wurden.

Übrigens gab die Schwester Wassils mit dem Museum zufrieden. “Das neue Haus ist natürlich schön,“ sagt sie. „Es hat mir so gut gefallen!Ich habe es sogar nicht erkannt! Ach, sagte ich, nun sei mein Haus wie eine Kirche.“ Sie fügt hinzu:“Danke, natürlich, dass Sie das Andenken Wassils in Ehren halten.“


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