Minsk - Loschitski Landgut

Loschitski Landgutkomplex

Prachtvolles Erbe


Die Experten behaupten, dass über 150 historische architektonische Meisterstücke in Weißrussland erhalten bleiben. Aber in Minsk gibt es nur eins. Es ist das Loschitski Landgut, eine der sentimentalsten Orte der Hauptstadt.

Aus alten Quellen ist es bekannt, dass ein Feudallandgut bereits im 16. Jahrhundert am Zusammenfluss der zwei Flüsse - Swislotsch und Loscha- stand. Dessen Besitzer waren die Fürsten Saslawskis, Nachfahren Gedimins, des Gründers des weißrussisch -litauischen Staats. Der günstig gelegene Ort lenkte die Aufmerksamkeit von vielen Adligen auf sich, deshalb lössten die Inhaber des Landguts einander mehrmals ab. All die waren berühmte belarussische Familien: Die Fürsten Drutskis, direkte Nachfahren des berühmten Fürsten Wseslaw aus Polotsk, der Wundertäter für seine erstaunlichen Heldentaten genannt wurde, später die Familie Pruschinskis, die aus dem westlichen Teil von Weißrussland , dem jetzigen Polen stammten. Stanislaw Pruschinski, königlicher Generaladjutant, Ritter von vielen polnischen Orden, machte ein altes Landgut zur geräumigen Residenz. Damals besuchten diesen Ort viele hochrangige Gäste, darunter der letzte König der Republik Polen Stanislaw-Awgust Ponjatowski und der russische Imperator Pawel I. Später gingen im Park Loschitsas Dramatiker Wintsent Dunin-Martinkewitsch, der Komponist Stanislaw Monjuschko und andere prominente Persönlichkeiten dieser Zeit spazieren.

Aber grössten Ruf genießte Loschitsa bei Ewstafi Ljubanski, Mitglied der Familie Pruschinskis mütterlicherseits. Er ließ sich hier 1884 nieder. Der neue Besitzer hatte weitgehende Interessen und war sehr gut ausgebildet. Er war nicht nur durch seine umfassende staatliche und geschäftliche Tätigkeit, sondern auch durch manche Absonderlichkeiten bekannt. Er war z. B. ein leidenschaftlicher Anhänger des Radfahrens und Chef der Gemeinschaft der Minsker Radfahrer. Er soll auch am Attentat auf den Gouverneur von Minsk, Kurlow, mitgewirkt haben. Ljubanski baute in Loschitsa mehrere einträgliche Betriebe: zwei Mühlen, ein Stärke-Sirup-Betrieb, eine Brennerei, ein kleines Ziegelwerk. Nebenbei gesagt, umgab er wegen dieses Werks das breite Gelände mit einer Ziegelwand, deren Reste bis heute erhalten geblieben sind. Am stärksten bemühte sich Pan Ewstafi jedoch um die Einrichtung des Parks und des Landgutes. Im Park pflanzte er eine Menge von exotischen Pflanzen. Auch heute kann man hier mandschurischen Nussbaum, Berg- und Krimkiefern, sibirische Fichte, Magnolie sehen. Speziell für seine Frau brachte er aus Japan eine Kobushi-Magnolie, die angeblich an ihrem Geburtstag aufblühen sollte. Mit dem Namen Jadwiga, der Frau Ewstafis, hängen sowohl die hellsten als auch die dunklsten Seiten der Geschichte von Loschitsa zusammen.

Gerade für die geliebte Frau (er war um 17 Jahre älter als sie) leitete Pan Ewstafi den groß angelegten Umbau des Landgutes ein. Ein eingeschossiges Gebäude am Ufer wurde in eine elegante Residenz umgewandelt. An das Holzhaus des XYII. Jahrhunderts wurde das neue Steingebäude angebaut. Das Haus wurde nicht nur gemütlich, sodern auch schön: Schnitzdetails aus Holz machten es besonders ästhetisch. Die Innenausstattung entsprach damaligen Luxusvorstellungen. Die Wände wurden mit Platten aus Eichenholz verkleidet. Öfen und Kamine wurden mit wunderschönen Kacheln ausgelegt, die heutzutage nur in diesem Ort zu finden sind. Die Ljubanskis wählten für die Vorhalle englischen Stil aus, der Korridor und der Treppenraum wurden mit Pompejischen Bemalungen aufgeschmückt. Die Ausstattung des Bibliothekzimmers und des Eßzimmers wies Renaissance-Züge auf, und Gästezimmer wurden im schönen Rokoko-Stil ausgestattet. Bei der Einrichtung der Zimmer wurde großer Wert auch auf Kachelöfen gelegt. Im Haus blieb eine Menge von denen erhalten. Nummer eins ist der Kamin, der in Riga nach deutschen Mustern ausgeführt wurde. Nach dem Umbau wurde das Landgut in Loschitsa in europäischen, insbesondere in polnischen Alben als eines der malerischsten erwähnt.

Das Familienglück scheiterte im für Russland fatalen Jahre 1905. Jadwiga Ljubanskaja verliebte sich zu ihrem Unglück in den Gouverneur Minsks A. N. Musin-Puschkin. Sie war eine polnische Adlige, wurde in katholischen Traditionen erzogen. Unüberwindbare Leidenschaft an den russischen Aristokraten wurde für sie zum Verhängnis. Leidenschaft kämpfte mit Ehre und Jadwiga konnte es nicht ertragen. Sie ertränkte sich in Loscha. Zu ihrem Andenken pflanzte Ewstafi die letzte der Parkraritäten, den einzigen in Weißrussland mandschurischen Aprikosenbaum. Er mauerte das Fenster in ihrem Schlafzimmer zu und fuhr in den Kaukasus, wohin alle russischen Adligen, die den Tod suchten, fuhren. Dort kam auch Ewstafi ums Leben.

In der sowjetischen Zeit interessierte sich man für den Park von Loschitsa zum Erstaunen wenig. Dadurch blieben viele seiner Schatzstücke gewahrt. Aber nicht alle. Weil Bolschewiken gegen die Religion kämpften, zerstörten sie teilweise die katholische Kapelle, die auch als Gruft für letzte Besitzer diente. Die zurückziehenden deutschen Truppen schlossen Zerstörung ab, indem sie diese Kapelle mit dem Lager der Munition, die nicht abtransportiert wurde, in die Luft sprengten.

In den Jahren der Okkupation, von 1941 bis 1944 befand sich im Haus von Loschitsa die Residenz des Gebietskomissars von Minsk W. Freitag. Hierher kamen Generalkommissar von Weißrussland W. Kube und sein Nachfolger K. von Gotberg. Der letztere pflegte Loschitsa zu besuchen und führte hier Beratungen oft durch. Die Partisanenleitung fasste den Beschluss, bei einer dieser Beratungen all die Leiter der deutschen Okkupationsbehörden auf einmal umzubringen. Aber die in einem Ofen gelegte Mine wurde aufgedeckt, und drei Dienstmädchen (Mutter und Tochter Tschishewskis und N. Moiseewa), die laut Partisanenbefehl die Diversion machen sollten, wurden festgenommen und hingerichtet.

Das Landgut in Loschitsa überstand viele geschichtliche Prüfungen. Derzeit beeindruckt der teilweise rekonstruirte Komplex immer noch mit Lyrismus und Harmonie.


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