Weißrussland - Belarussischen Folk

Trio Troitsa

Das Ethno Trio Troitsa spielt belarussischen Folk


Dieses kleine musikalische Team, das Ethno Folk Trio Troitsa, existiert seit Mitte der 90er und wurde sogar Sieger des Wettbewerbs “Mach den Weg frei!”, der von der Soros-Stiftung 1996 organisiert wurde.

Aber in Weißrussland wurde das Trio erst bekannt, als der Solist der russischen Rockgruppe DDT Juri Schewtschuk mit den Musikern Kontakt aufnahm. Als er in Minsk war und den Troitsa-Komposition hörte, lud er die weißrussischen Musiker ein, beim Konzert von DDT aufzutreten. Später, im Jahre 1997 lud sie Schewtschuk nach Petersburg zum Rockfestival “Die einheitliche Welt“ ein. Seitdem stieg die Popularität des Troitsas immer mehr an, aber - wie so häufig bei Ethno-Musik - mehr in ganz Europa als in der Heimat Weißrussland.

Ursprünglich bestand das Troitsa aus den Musikern Iwan Kirtschuk, Dmitri Lukjantschik und Witali Schkilenok. Nachdem das Trio 1998 in Holland im Studio Pan Records eine CD, die auch „Troitsa“ hieß, aufgenommen hatte, ging das Team auseinander. Bereits nach einem Jahr aber schließen sich an Iwan Kirtschuk zwei junge Musiker, Juri Pawlowski und Juri Dmitriew, an. Genau in dieser Formation besteht das Troitsa bisher. Das Team schaffte es, mehrere CDs und Musikkasetten aufzunehmen. Sein Spielplan besteht ausschliesslich aus weißrussischen Volksliedern. Diese schrieb Iwan Kirtschuk während seiner ethnografischen Reisen auf. Wie groß die Anzahl der Lieder im Archiv von Iwan Iwanowitsch ist, lässt es sich nicht eindeutig sagen. "Ich habe nicht gezählt. Ich habe rund hundert Tonbandspulen je 550 Meter, jede Spule hat etwa zwei Stunden Aufnahmekapazität. Aber die Spulen enthalten nicht nur Lieder. Da gibt es Märchen, Balladen, Sagen, Instrumentalmusik. Es gibt einfach Erzählungen der alten Frauen über verschiedene Lebenssituationen, über Glauben an Waldgeiste, Dämonen, Nixen. All dies ist ethnografisches Material.“

Allerdings, wie kann man aus dieser Unmenge von Aufnahmen die Lieder auszuwählen, die später nach gewisser Bearbeitung den Zuhörer erreichen kann? "Es ist die innere Stimme, die plant. Ich habe früher selbst gedacht: Da stehe ein Schrank mit zehn Regalen. Kannst du es dir vorstellen, wieviel Material es da gibt? Aber man richtet sich nach einem geheimnisvollen siebten Sinn, nimmt eine Tonbandspule und lässt diese zwei oder drei Stunden nacheinander spielen. Fast glaubt man, man wird bald verrückt! Aber dann hört man plötzlich ein Lied. Und man versteht es - man versteht: Das ist es. Manchmal berührt einen der Text oder eine einzige Phrase zerstört den ganzen Eindruck! Manchmal die Melodie, manchmal die überreizte Stimmenintonation. Der Mensch wurde doch mit dem Lied geboren. Und er stirbt auch mit dem Lied. Neulich habe ich einen interessanten Gedanken gehört: Der Mensch weint bei der Geburt, und wenn er stirbt, weint er auch. Tränen und Lieder begleiten seinen Weg von Anfang bis zu Ende. Und es gibt doch Tränen der Freude und Tränen der Trauer. Mir gefällt ein solcher Gedanke gut: Jede Sache im Museum beinhaltet Informationen über Menschen jener Zeit. Es steht schon fest. Natürlich die Lieder, die wir singen, tragen auch Informationen aus früheren Zeiten. Vielleicht ist es nicht die Information, die ein Krug enthält. Wenn man den mit Laser beleuchtet, kann man gleich das Jahrhundert seiner Anfertigung nennen. Wir hingegen können nach dem Lied die Zeit seiner Erscheinung nicht feststellen. Es ist nicht bekannt, in welcher Epoche die Wurzeln des Orginals zu finden sind. Wir schließen uns einfach an diese Quelle an. Aber wenn dieser Kontakt jedoch erfolgt, hört sich das Lied vielleicht nur dann gut an. Es kann sein, nur dann berührt es andere Menschen. Es ist wohl das beste Konzept, das man sich ausdenken kann."

Doch lassen sich die Werke von Troitsa nicht absolut "authentisch" nennen. Kirtschuk selbst bestätigt es: “Authentisch ist es nur im Dorf oder auf dem Tonband. Wir aber stilisieren authentisches Folklore. Das heißt, wir versuchen, die Melodie, Dialekte, Nuancen, jene Atmung der alten Frau oder des alten Manns, den Text aufrechtzuerhalten. Beim Text sieht es manchmal so aus, dass wir in einem Lied Wörter aus Russisch, Belarussisch oder Ukrainisch belassen. Und wenn wir dieses Lied irgendwie ändern, haben wir Recht darauf als Autoren eines neuen Werks." Juri Dmitriew fügt hinzu: "Authentizität zu erreichen ist wohl unmöglich. Aber wir haben dazu eine besondere Einstellung. In dieser Hinsicht ist das Troitsa vielleicht sogar “langweiliger” als andere Folk-Teams, denn wir arbeiten am Folklorematerial äußerst vorsichtig. Authentische Aufnahmen studieren wir ziemlich sorgfältig, nicht nur darum, dass wir eine bessere Bearbeitung erzielen wollen, sondern auch wollen wir das Original selbst aufrechterhalten.”

Übrigens sei es darauf hinzuweisen, dass das Trio im Unterschied von anderen Musikern, die Folklore spielen, nicht versuchen, das Original stark abzuändern. Bei Aufnahmen und in Konzerten werden folgende Instrumente verwendet: Gusli, Smik, Rohrpfeifen, Grodnensker Okarina, Pfeife, Shalejkas aus Bulgarien, Holland und Weißrussland , Stroh, Domren, Zimbel, Glöckchen, holländischer Gong, Jamba (afrikanische Trommel), türkische Sas (Xylophon aus Bambus), afrikanisches Schilf, Gundang (eine Art Zither, eine Holzsaite ist an einem Bambusstück angespannt), Lyra, moderne Trommeln, Elektro- und akustische Gitarren, Perkussionen und sogar eine Sense (für Grasmähen). Übrigens wenden die Musiker afrikanische und indonesische Instrumente nur dann an, wenn sie glauben, dass ihr Schall am Platze ist, dass diese Instrumente einem belarussischen Lied nach Timbre und nach Charakter passen.

Was gegenwärtige Popularität des Troitsas betrifft, so, obwohl das Trio äußerst eigenartig ist, trifft es in der Heimat recht selten auf. Mit Gastspielen bereist man schon lange hauptsächlich Europa: Polen, Holland, Serbien, Bosnien, Ungarn, Österreich... da gibt dieses belarussische Team Dutzende Konzerte pro Saison. Und in Minsk treten die Musiker manchmal nicht häufiger als einmal im Jahr auf. Dieses Phänomen des Desinteresses seitens weißrussischen Zuschauer lässt sich eigentlich in diesem Fall kaum erklären.


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