Menschen aus Minsk - Rygor Borodulin

Rygor Borodulin

Dichter Borodulin übersetzte den Papst

Der belarussische Volksdichter Rygor Borodulin übersetzte das Poesiebuch Johannes Pauls II „Römisches Triptychon. Meditationen“. Und schon im Juni konnte er, einer Einladung nach Vatikan folgend, die Übersetzung eigenhändig dem Papst überreichen. Somit wurde Rygor Borodulin zum ersten Literaten unter den belarussischen Klassikern, der solch einer hohen Audienz gewürdigt worden ist.

„Römisches Triptychon“ wurde in einer geringen Auflage unter der Mitwirkung der Belarussischen griechisch-katholischen Kirche, der gesellschaftlichen Vereinigung „Dyariusch“ Minsk sowie unter der aktivsten Beteiligung des apostolischen Visitatoren für Griechisch-Katholiken Weißrusslands Archimandriten Sergej Gajek herausgegeben.

Rygor Borodulin erzählte: „Ich kann nicht sagen, dass ich über der Übersetzung der Poesie von Johannes Paul II. lange gebrütet habe, sie ist meiner Feder aber auch nicht von heute auf morgen entsprungen. Die Arbeit an der Übersetzung erforderte einen äußerst hohen Grad an Konzentration und Tiefsinn, denn die Poesie des Papstes ist ein Exkurs in die Geschichte, Philosophie, ein Gespräch mit Ewigkeit und der Rückkehr zum Wort, das am Anfang stand. Überhaupt ist das Buch sehr interessant, denn dies sind die Überlegungen eines kundigen, wohlerfahrenen, geistlich sehr reichen und reinen Menschen. Sie nachzudichten, war für mich auch deswegen eine immense Herausforderung, weil das nicht die Poesie im herkömmlichen Sinne ist: Wir haben nicht einfach mit gereimten Versen zu tun, hier sind Gefühl und Verstand unzertrennlich mit einander verflochten. Es ist gleichzeitig auch eine Anrede an Herrgott. Es ist ja auch zweierlei, ob man die schon verstorbenen Klassiker übersetzt oder den Papst, der mehrere Sprachen beherrscht und deine Übersetzung lesen kann. Zu der Verantwortung hat mich auch ein anderer Umstand gerufen – ich habe nämlich meinen geistigen Mentor interpretiert, da ich dem Bekenntnis nach griechisch-uniert, d.h. griechisch-katholisch bin … Der einzige Prinzip, zu dem ich mich mein ganzes Leben lang bekenne, ist, dass ich die Gedichte der anderen immer als für mich selbst übersetze.“

Die Delegation, die in Rom ankam, war nicht groß: Rygor Borodulin, Archimandrit Sergej Gajek, der Vorsteher einer der griechisch-katholischen Gemeinden Witebsk Bogdan Sunak und der Mitarbeiter des Sekretariats der apostolischen Visitation Jaugen Androsik. Selbst in Rom konnte Borodulin bis zum allerletzten Augenblick nicht glauben, dass solches Treffen möglich sein könnte.

Der Dichter sagte: ”Ich hatte nur ein Fünkchen Hoffnung, den Papst zu erleben, wie er den Gottesdienst anlässlich des Hochfestes Peter und Paul zelebriert. Ganz unverhofft teilte man mir dann doch mit, dass er uns empfangen wird! Zunächts konnte ich es nicht glauben, obwohl ich schon von klein auf die sprichwörterliche Redensart kenne: „in Rom gewesen, ohne den Papst gesehen zu haben…“ Auch der Kaplan, der mich einst getauft hatte, hätte wahrscheinlich niemals daran denken können, dass sein Täufling nicht einfach eines Tages den Papst mit seinen eigenen Augen erblicken, sonder gar mit ihm sprechen wird! Ich wurde ja 1935 geboren, zu der Zeit also, als Kommunisten und gottlose Komsomolzen den Popen und Pfarrern die Bärte verbrannten. Meine Mutter, Oma und Urgroßmutter wurden zwar griechisch-uniert. So wollte offensichtlich der Gott, dass bei uns in der Umgebung von Witebsk, in Uschatschi sich ein katholischer Pfarrer aufkreuzte, der sich von den Bolschewiken versteckte. Gerade er hat mich damals getauft… „

Schon unmittelbar während der Audienz händigte Rygor Borodulin ein Exemplar des Buches mit seiner Übersetzung vom „Römischen Triptychon“ ins Belarussische dem Papst aus und bekundete dabei seine Freude, dass er die Gedichte seiner Heiligkeit übersetzen konnte. Dann begrüßte er den Papst im Namen der belarussischen Intellektuellen und wünschte dem Stellvertreter Christi Geistesstärke. Dann war Johannes Paul II. dran: er nahm das Buch mit Dank entgegen, schenkte dem Dichter einen Rosenkranz und segnete anschließend die belarussischen Kulturschaffenden und ihr Werk zur Widergeburt von Weißrussland. Während der Unterhaltung war eine Übersetzung völlig überflüssig: Borodulin sprach Belarussisch und der Papst predigte auf Polnisch. Dieses kurze Treffen hat einen starken Eindruck auf Borodulin gemacht.

„Nun habe ich selbst gespürt, dass der Papst nicht nur die irdische, sondern auch eine himmlische Kraft ausstrahlt. Um so mehr, dass ich nach Rom praktisch krank gekommen bin. Ich hatte überhaupt die Schwellenangst, da ich schon seit langem nirgendwo so weit gereist habe. Doch der Besuch bei dem Papst hat mich geheilt, soweit es nur in meinem Alter möglich ist… Johannes Paul II. hat etwas von Dies- und Jenseits zugleich. Ich sage das ohne jegliche Übertreibung… Als wir später seine Zwei-Stunden-Messe hörten, kam es uns vor, dass er sich so viel Zeit bei der Wortwahl lässt, nicht weil ihm etwa das Sprechen schwer fällt, sondern jeher weil er einer Stimme von oben lauscht und später das Vernommene wiederholt. Er hört das, was wir unmöglich wahrnehmen können. Das ist ein Sakrament. Nicht von ungefähr wird er der Heilige Vater genannt…“

Kurz darauf führte das „Radio Vatikan“ ein Gespräch mit Rygor Borodulin durch. Es gab drei Hauptfragen: über das Treffen mit dem Papst, über die Eindrücke von der Ewigen Stadt und die Frage über Wasil Bykow, den Volksschriftsteller von Weißrussland und einen guten Freund von Rygor Borodulin. Was die Erlebnisse des Dichters betrifft, so sagte der Dichter:

„Es war mir so, als ob ich in einer Niederlassung des Paradieses auf Erden gewesen bin! Ich glaube nämlich, Rom bestehe auf Gottes Erlaubnis, da diese Stadt eine sehr reine und fromme Seele hat. Man hat das Gefühl als ob die Ewigkeit selbst dort für einen Augenblick innehielt, um Halt zu machen und dann wieder weiter zu gehen. Die Luft in den römischen Kathedralen ist von jahrhundertlangen Gebeten durchtränkt. Geschweige denn der Peterdom! Es mag als blasphämisch klingen, doch es kam mir vor, als die Kathedrale das Sommerhaus von Peter sei, der den Menschen den Schlüssel von seinem Haus ließ und selbst gen Himmel aufbrach. Er könnte aber jeden Augenblick zurückkehren… Ich fühlte mich in Rom sehr wohl. Ich habe sogar das Wasser aus einem Springbrunnen getrunken! In einem anderen habe ich mir das Gesicht abgewaschen: das Wasser war gut und kühl wie aus einer Quelle in meiner Heimat Uschatschi! „

Jetzt hofft Rygor Borodulin, dass die gesammelten Eindrücke Niederschlag in seinem eigenen Schaffen finden werden. Wie dem auch sei, brachte ihn Archimandrit Sergej Gajek auf eine gute Idee: Früher hat Rygor Borodulin „Römisches Triptychon“ übersetzt, nun könnte er selbst „Römisches Diptychon“ dichten.

-- Wenn ich soweit bin, werde ich das Buch dem Papst widmen, - verspricht der Dichter. – Ob es aber dazu kommt oder nicht, liegt allein in Gottes Hand.


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