Weißrussland - Windsurfing in Weißrussland

Windsurfing in Weißrussland

Wie Windsurfing erschien


Windsurfing ( das Segeln stehend auf einem speziellen Brett (einem Surfbrett), das mit einem Segel an einem Mast mit dem Scharnier im unteren Teil ausgerüstet ist) wurde von Amerikanern Mitte der 70er Jahre erfunden. Nach 15 Jahren wurde diese Sportart ins Programm der Olympiade 80 in Moskau aufgenommen. Dies ist der Gruppe der enthusiastischen Minsker Wissenschaftler zu verdanken, die sich mit Einführung des Winsurfings in der ehemaligen Sowjetunion beschäftigten.

1974 lasen Wiktor Juschko und Ewgeni Saunin ein Heft der Leningrader Zeitschrift “Kuttern und Jachten“, in dem ein kleiner Artikel über Segelboote veröffentlicht wurde. Juschko und Saunin beschlossen, ein ähnliches Zeug zu konstruieren.

-- Können Sie sich erinnern, wie alles seinen Anfang nahm?

Е .S.: -- All mein Leben ist mit Wasser verbunden. Ich bin in Feodosija geboren, das am Schwarzen Meer liegt. Dann zog ich nach Nikolajew um, wo ich für Wasserski eine Leidenschaft fasste. Im Jahre 1967, ich war damals 32 Jahre alt, übersiedelte ich nach Minsk, wo ich gleich der Meister der Republik wurde. Dann fing ich Trainertätigkeit an. Allerdings kam es einem Hobby gleich, weil ich Laboratoriumleiter im Institut für Kernenergetik in der Siedlung Sosny bei Minsk war. 1974 weckte mein Interesse ein Artikel in der Zeitschrift “Kuttern und Jachten”, in dem es sich um den Wettkampf im Ausland mit Segelbooten handelte. Ich und meine Bekannten im Institut beschlossen, selbst solch ein Boot zu basteln. Die Arbeit am Windsurfer nahm recht viel Zeit in Anspruch: den Sommer, den Herbst und den Winter von 1974. Eine der ersten Proben erfolgte im Institut. Am 2. Februar des nächsten Jahres wurde die Aufnahme in die Windsurfing-Arbeitsgemeinschaft organisiert. Es war die erste Gemeinschaft dieser Art in der ganzen Sowjetunion. Zur Versammlung kamen in die Akademie der Wissenschaften rund 70 Menschen. Viele von denen ließen sich von dieser Sportart hinreißen.

-- Haben Sie Segelboot anhand der Versuchs-und-Irrtum-Methode gebastelt?


Е .S.: -- Das stimmt nicht ganz. Wir selbst wussten etwas und gingen auch in die Bibliothek, wo wir ausländische Zeitungen und Zeitschriften lasen. Polnische Ausgaben kamen uns zugute.

Die damaligen Bretter stellten ein Leimgehäuse aus Glasfaser, das Schaumstoff beinhaltete. Ein Boot wieg 20 bis 25 kg . Segel bestellten wir in Kaunas. Diese wurden aus kalandriertem Lawsan genäht. D. h., Lawsan ging durch heiße Wellen, damit das Segel wasser- und luftdicht wurde.

А .P: -- Es kam auch so vor, dass Segelboote an uns trotz des eisernen Vorhangs aus Westeuropa gelangten. Einmal im späten Herbst machten wir das letzte Training im Minsker Meer und bemerkten etwas entfernt grelle Segel. Wir schwammen darauf zu. Wir sahen zwei Menschen mit zwei Surfbrettern. Die beiden klapperten mit den Zähnen vor Kälte. Wir fragten einen: “Wo kommst du her? Warum bist du ohne Rettungsweste?“ Bei uns soll man laut Gebrauchsanweisungen Rettungswesten tragen. Er schwieg. Dann wollten wir ihn einschüchtern und sagten, bald kommen Retter, die ihn und sein Boot mitnehmen. Der junge Mann aber antwortete wieder nicht. Wir fragten wieder: “Wo kommst du her?” “Aus Paris“,-war die Antwort. Diese Worte verstärkte unseren Ärger. “Machst du über uns lustig? Wir fahren gleich fort und lassen euch hier einfrieren“. Wie konnte man sich damals vorstellen, dass ein Pariser zu dieser Zeit im Minsker Meer erscheinen konnte. Nur jetzt sind dort Menschen verschiedenster Nationalitäten anzutreffen. Wie es sich später herausstellte, waren es tatsächlich französische Ingenieure, die das Werk der Druckplatten im Rakowskoje-Chaussee projektierten und bauten. Die Ausländer durften in der Stadt nicht erscheinen. Aber für diese zwei wurde Ausnahme gemacht und die Fahrt ans Minsker Meer zugelassen. So lernten wir einander kennen und freundeten uns an. Als sie in die Heimat abreisten, übergaben sie uns ihre holländischen Surfbretter. Etwa nach einem Jahr kam ein Franzose Bol Daniel ins Institut für Kernenergetik und fing an, mit uns zu trainieren. Einige Zeit später dank der Obhut eines KGB-Oberstes konnte er als Mitglied der weissrussischen Mannschaft an Wettkämpfen teilnehmen.

-- Kommen wir doch auf den nächsten Teil unserer Erzählung zurück. Warum fand der erste Wettkampf der Sowjetunion in Minsk statt?

А .P.: -- Nach mehreren Wettbewerben im Rahmen der Republik haben wir es satt, nur in unserem „Sandkasten“ zu spielen. Deshalb suchten wir nach Windurfing-Fans in anderen sowjetischen Republiken.

Е .S.: -- Es geschah Unvorstellbares: Im Herbst von 1975 kamen in Minsk 62 Sportler aus 14 Städten der UdSSR. Die Gäste wurden in der noch nicht erneuerten Herberge Junost untergebracht. So fand das erste Treffen der sowjetischen Windsurfing-Fans, das erste Turnier der Sowjetunion statt. Danach wurde die Unionsfederation des Windsurfings gegründet. Für nächstes Jahr wurde der Pokal der UdSSR für Windsurfing anberaumt. Es ist erwähnenswert, dass die weissrussische Manschafft Spartak zwei Jahre nacheinander, 1977-1978, an der Spitze in allgemeiner Wertung war. Die Wettkämpfe wurden im Tschudskoje-See, in Kiewer und Kaunaser Stauseen, im Taganroger Meerbusen, im Schwarzen Meer ausgetragen. Am besten gefiel es uns in Kochta-Jarwa, in Kurscher Landzunge--bei Selenogradsk, Neringa-Nida...Kurz gesagt, haben wir damals die malerischsten Orte der Sowjetunion bereist. Dafür wurde uns der Bus LAS zur Verfügung gestellt. Wir haben auch keine Probleme mit Beschaffung von Lebensmitteln, Bekleidung, Ausrüstung: Brettern, Segeln, Masten, Gieken, Verlängerungsschnüren, Schoten usw.

-- Heißt es, dass Ihr Hobby den Behörden gut gefiel?

Е .S.: -- Es liegt daran, dass Sport früher anders behandelt wurde. Nun werden mehrere Arten an die Spitze gerückt. Die Kosten zahlen sich doch nicht aus. Für andere Arten wird überhaupt kein Geld bereitgestellt. Aber ohne Geld lässt sich ein Erfolg kaum erzielen.

Vositzende des Sportkomitees der BSSR Liwentsew und Leiter der Sportvereinigung Borsuk unterstützten uns finanziell. OSWOD, die Akademie der Wissenschaften und das Institut der Kernenergetik hielten sich auch nicht heraus. Jede Einrichtung spendete etwas und es kam zu einer satten Geldsumme. Dieses Geld reichte uns aus.

Bald wurde Windsurfing ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen. Deshalb wurden in der Sowjetunion vier starke Mannschaften zusammengestellt. Die haben die Möglichkeit, ein Training in Moskau zu machen. Es ist verständlich, dass wir mit denen nicht mehr aufnehmen konnten.


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