Weißrussland - Die Minsker Ikone der Mutter Gottes

Die Minsker Ikone

Sie offenbarte sich auf den Wogen von Swislotsch...


Die Geschichte der Offenbarung der meisten wundertätigen Ikonen ist von vielen Mythen und Sagen umwoben, die fast immer der authentischen Nachweise entbehren. Die christliche Geschichte Weißrusslands ist reich an Wundern und geheimnisträchtigen Ereignissen, die mit den Ikonen der Mutter Gottes verbunden sind.

Das wichtigste Heiligtum Weißrusslands - die Minsker Ikone der Mutter Gottes – befindet sich links vom Zarentor in der Minsker orthodoxen Kathedrale des Heiligen Geistes und kann mit einer der reichsten Geschichten unter allen belarussischen Ikonen prahlen. Laut kirchlicher Überlieferung wurde sie vom heiligen Apostel und Evangelisten Lukas im I. Jahrhundert nach Christi Geburt auf Bitte seiner Mitstreiter-Apostel und anderer Christen erschaffen. Viele Jahre wurde sie in Byzanz beheimatet, dann in Kherson. Mit der Verheißung, dass der Segen Gottes über dieser Ikone ständig ruhen werde, benedeite die Magd Gottes ihre erste Ikone als ein sichtbares Zeichen ihrer fortwährenden und segenreichen Anwesenheit unter den Menschen.

Metropolit von Minsk und Slutsk, Exarch von ganz Weißrussland Filaret sagte in seiner Predigt anlässlich eines der jährlichen Ikonenfeste (am 26. August): «Unter gesegnetem Schutz des Heiligenbildes der Himmelskönigin … steht die Gottes beschützte Hauptstadt von Weißrussland schon seit fürn Jahrhunderten. Der historische Weg dieses Heiligtums verbindet verschiedene Epochen und Völker miteinander – die byzantische Hauptstadt Konstantinopel, die griechische Stadt Kherson, die Mutter aller russischen Städte Kiew und die Hauptstadt von Weißrussland Minsk… Und in jeder ihrer Aufenthaltsstätten bekundete diese altertümliche Ikone… große Gnade denen gegenüber, die voller Glauben und Erfurcht vor ihr niederknieten…“.

Die Geschichte besagt, dass der Großfürst von Kiew Wladimir Swiatoslawowitsch nach der Trauung mit der byzantischen Zarentochter Anna und seiner Täufung in Kherson 988 diese Ikone nach Kiew verlegte und sie in der Kirche ließ, die zu Ehren der Mariä Himmelfahrt eingeweiht wurde und auch Desjatinnyj-Kirche genannt wird. Für ein Hundert Jahre auf dem Kiewer Boden erwarb sie Liebe und Verehrung der Gläubigen. Die Kirche selbst und die Ikone wurden allerdings mehrmals von Feindesüberfällen heimgesucht (1169, 1204, 1240).

Dann verschwindet auf einmal die Spur der Ikone für mehr als zwei Jahrhunderte. Die Chronik weist einen Eintrag auf, dass bei einem der verheerenden Beutezüge der Tataren über Kiew der krimsche Khan Mengli-Girej 1482 die Stadt eingenommen, „sie ausgeplündert, niedergebrennt und viele Gefangenen genommen hatte“. Und die Legende fügt hinzu, dass einer der Eroberer das Heiligtum aus der Kirche austrug, davon die wertvollen Verzierungen und den Beschlag riss und die Ikone selbst in die Wogen des Dnjeprs warf … Doch wie der Volksmund sagt, dass niemand den Gott entweihen kann …

Die Legende will behaupten, dass zwei Tage vor der Mariä Geburt, am 26. August 1500, sich das Gnadenbild der Heiligen den Bewohnern des altertümlichen Minsk offenbarte – „ob stromabwärts, oder auf eine wundervolle Art stromaufwärts, oder gar durch Engel bis nach Minsk gebracht, erschien die Ikone vor dem Schloss auf dem Swislotsch-Fluss; durch das ungewöhnliche Licht, das sie ausstrahlte, preisgegeben und von den Bürgern des Ortes vom Wasser geborgen wurde sie bis zur Burgkirche am 13. August des Jahres 1500 (alte Zeitrechnung – A.S.) begleitet“. Es gibt auch Zeugnisse, dass die Kiewer, die sich von den Tataren auf der belarussischen Erde Unterschlupf gefunden haben, erkannten ihr Heiligtum. Deswegen wurde der 26. August zum Gedenktag der Minsker Ikone der Mutter Gottes, der auch heute nicht nur in der Kathedrale des Heiligen Geistes in der belarussischen Hauptstadt, sondern auch in vielen anderen Kirchen des Landes feierlich begangen wird.

1505 näherte sich die Horde des Khans Mengli-Girej dem Minsk. Die ungleiche Schlacht fing gleich nach dem Gottesdienst der Beschützer der Stadt in der Burgkirche an. Die Geschichte will wissen, dass die Eroberer Minsk niederbrennten, Dutzende der Stadtbewohner und hiesigen Bauern gefangen nahmen, die Burg mit der wundertätigen Ikone blieb aber unversehrt. Man glaubt, dass sie und ihre Beschützer unter der unsichtbaren Obhut der Ikone der Mutter Gottes waren. Und nach einiger Zeit zerschmetterten die belarussisch-litauischen Streitkräfte bei Klezk die Eroberer und befreiten die Gefangenen. In die Geschichte wurde noch ein Datum eingeschrieben: Die Strafe der wundertätigen Ikone hat sich vollzogen.

Die Kunde über die Wundertätigkeit des Heiligtums verbreitete sich wie ein Lauffeuer über die Westliche Rus, was zu massenhaften Walfahrten führte. Nicht von ungefähr erwähnte der Historiker Ignatij Stebelskij in einem seiner Werke, die 1781 in Wilna erschienen, die Minsker Ikone der Mutter Gottes unter den meist verehrten wundertätigen Ikonen unserer Gegend.

In fünf Jahrhunderten ihres Aufenthalts auf dem Minsker Boden wechselte die Ikone einige Male ihren „Sitz“. Die Burgkirche verwahrloste nach und nach. Nach dem Abschließen der Brester Union (1596) wurden viele Kirchen und Kloster gewalttätig den Orthodoxen entnommen und den Unierten übergeben. Die Ikone zog in die Hauptkathedrale des Heiligen Geistes des unierten Klosters in der Oberstadt um. Aller Wahrscheinlichkeit nach passierte das am 16. Oktober 1616 am Gedenktag des heiligen Apostels und Evangelisten Lukas. Das sei die Annerkennung dessen, dass das Heiligenbild der Hand des Jüngers angehört.

Über zwei Jahrhunderte lang wurde die Ikone von den Unierten in der Kathedrale des Heiligen Geistes aufbewahrt. Nach dem Anschluss von Minsk an das Russische Reich wurde die Kathedrale den Orthodoxen zurückgegeben und Ende XVIII. Jahrhunderts zu Ehren der Apostel Peter und Paul eingeweiht

Das Minsker Heiligtum ist auch nach mehrmaligen Bränden, der Hetze von gottlosen Bolschewiken, den Gräueln des Zweiten Weltkrieges unbeschädigt geblieben…

Die historischen Dokumente und die restauratorischen Entdeckungen lieferten den Kunstwissenschaftlern den Grund zur Annahme, dass die Ikone, die in Weißrussland aufbewahrt wird, iherer Bedeutung nach der Ikone der Mutter Gottes in Wladimir (Russland) und der Dreifaltigkeitsikone von Andrej Rublew gleich ist.

Symbolisch ist auch, dass die Minsker Ikone der Mutter Gottes mit ihrer ungewöhnlichen Geschichte die Orthodoxen, Unierten und Katholiken von Weißrussland in ihrer Anbetung und Verehrung der Heiligen Jungfrau vereinigte und dass das nationale Heiligtum der Belarussen zu einem gesamtchristlichen Heiligtum wurde.

Die Zeit und die Menschen behüteten die wundertätige Ikone, die „sich über dem Wasser des Swislotsch-Flusses offenbart hatte…“


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