Weißrussland - Buch „Das Land Weißrussland“

Wladimir Orlow und Zmiter Gerasimowitsch

„Das Land Weißrussland “ - ein unumstößlicher Beweis der Zugehörigkeit zur europäischen Geschichte


Nicht jeder der mit Weißrussland benachbarten Staaten hat ein vergleichbares Buch. Die Autoren dieser umfangreichen Arbeit sind zum einen Wladimir Orlow, einer der bekanntesten weißrussischen Bestsellerautoren, und der Künstler Zmiter Gerasimowitsch.

Im Buch „Das Land Weißrussland “ gibt es 2.000 Illustrationen. Die Auswahl wurde aus über 10.000 Illustrationen zusammengestellt. Zmiter Gerasimowitsch hat eine kolossale Arbeit geleistet. Der Künstler selbst und seine Freunde wandten sich an Museen und Archive in Litauen, Polen, Deutschland und Weißrussland . Außerordentlich hilfreich zeigten sich dabei Kontakte zur Nationalbibliothek und zum Institut für Geschichte bei der belarussischen Akademie der Wissenschaften. Bereits im Laufe der Vorbereitungsarbeiten wurde dem Künstler klar, dass Belarussen eigentlich nichts haben, womit sie prahlen könnten ─ es gibt so gut wie keine visuellen Materialien akzeptabler Qualität, die für ein solches Druckmedium über die Geschichte von Weißrussland in Frage kämen.

In punkto Illustrationen mussten die Autoren bei Null anfangen. Einige Hunderte davon seien selbst für Berufshistoriker etwas neues, behauptet Wladimir Orlow. Dabei handelt es sich beispielsweise um sehr seltene Fotos, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden sind und einen sprechenden Beweis dafür liefern, dass Weißrussland in dieser Zeit nicht nur ein Agrarland war, sondern erste Anzeichen von einer raschen Entstehung kapitalistischer Verhältnisse zu verzeichnen hatte. Viele widersprüchliche Assoziationen ruft auch das Bild hervor, auf dem schmucke Gondeln zu sehen sind. Sie lassen eher an Venedig denken, wobei das Bild in Pinsk gemacht wurde. Oder Montgolfiers Vorbereitungen auf eine Fesselballonfahrt im Gouverneurgarten in Minsk im August 1899. „Es gibt hier allerdings auch Illustrationen mit traurig-tragischen Tönen“, erzählt Wladimir Orlow. „Ich meine den Stich ‚Erschießung eines Aufständischen durch russische Soldaten’, den ich bis dahin nicht kannte, oder ‚Aufständische beim Gefangenentransport nach Sibirien’ und ‚Kleines Lazarett für Aufständische 1863’.“

Zmiter Gerasimowitsch betont seinerseits, er sei von Dukaten - von ihrem Design in erster Linie - schwer beeindruckt, von Rittergürteln im Stil des europäischen Barock, von Waffen und Büchern, handgeschriebenen wie gedruckten, die den vergleichbaren russischen, tschechischen und polnischen Ausgaben weit überlegen seien. Gerasimowitsch muss aber zugeben, dass die Ausgabe einige Lücken aufweise, obwohl er alles getan habe, was in seinen Kräften stand. Zu kurz kamen beispielsweise die Malerei und die Ikonenmalerei. Dies hängt damit zusammen, dass viele Werke belarussischer Künstler überall in Europa verstreut sind und bei weitem nicht immer als belarussische Werke angesehen werden. Hier kommt auch eine hinreichend gut bekannte Tatsache zum Tragen: Während sich der langmütige und zuvorkommende Belarusse an sich, aus welchen Gründen auch immer, schämte und mit verschiedenen Gedanken spielte, privatisierten die benachbarten Staaten einen großen Teil der genuin belarussischen Geschichte

Eine der Besonderheiten des Buches besteht darin, dass die belarussische Geschichte in den gesamteuropäischen Zusammenhang des zivilisatorischen Fortschritts eingebetet ist, und zwar von den Anfängen bis ans Ende des 18. Jahrhunderts, als die europäische Tradition durch die Angliederung an die Großmacht Russland unterbrochen wurde

Es wäre jedoch angebracht, auch auf den Aufbau des Buches kurz einzugehen. Im Unterschied zu der „Illustrierten Chronologie“, die vorher im Verlag „Belaruskaja enzyklapedyja“ (zu Deutsch: Belarussische Enzyklopädie) erschien und eine typisch sowjetische Vorbestimmtheit bis ins Detail an den Tag legte, ist der Aufbau von „Das Land Weißrussland “ grundlegend anders. Es handelt sich dabei nicht um eine illustrierte Chronologie, sonder um ein historisches Werk. Außerdem wird auch der vorgegebene chronologische Rahmen viel breiter gespannt - von der Vorgeschichte, wo an der Stelle des heutigen Minsk wie fast auf dem gesamten Gebiet Weißrussland s Meereswellen plätscherten und nur in der Gegend, wo das heutige Grodno liegt, ein trockenes Land zu sehen war. Weiter erzählt das Buch über die ersten Bewohner der weißrussischen Gebiete, über die Eisenzeit, über den Glauben in der vorchristlichen Zeit und über die ostslawischen Stämme - die Kriwitschen, die Dregowitschen und die Radimitschen. Erst ab Kapitel 10 befasst sich das Buch mit den alten weißrussischen Fürstentümern. Insgesamt umfasst das Buch 71 thematische Kapitel. Den Schwerpunkt bilden allerdings die Kapitel, die wiederum über den europäischen Teil der weißrussischen Geschichte erzählen: über die Fürstentümer und über die Christianisierung, über das Magdeburger Recht und über die weißrussische Renaissance und Reformation, über den Staatsbau im Großfürstentum Litauen und vieles mehr. Es sei an der Stelle betont, dass auch der Titel des Buches nicht von ungefähr kommt. „Dadurch wollten wir wieder einmal das hervorheben, was in den Köpfen unserer meisten Mitbürger immer noch nicht tief genug verankert ist“, sagt Wladimir Orlow. „Weißrussland ist ein Land und keine Republik, wie sie immer wieder nach der alten Gewohnheit aus den Sowjetzeiten und vorwiegend von den Beamten genannt wird.“

Die Entstehungsgeschichte des Buches war alles andere als einfach. Die Arbeit am Manuskript dauerte fast fünf Jahre, weitere zweieinhalb Jahre nahmen die Illustrationen in Anspruch. Auch in diesem Zusammenhang war die Hilfe durch Fachleute für die Autoren unabdingbar. Vor allem sind da die wissenschaftlichen Berater, die Geschichtswissenschaftler, Dr. Anatoli Grizkewitsch, Dr. Georgi Stychow und Ales Bely zu nennen. Eine gewaltige Arbeit haben auch der Chefredakteur Zmiter Sanko und die Korrektorin Janina Martinowitsch geleistet. Wladimir Orlow wollte auch Sergej Zankewitsch erwähnen, der ihm einst die „Illustrierte Geschichte Bulgariens“ gezeigt hat. „Die Ausgabe umfasste etwa einhundert Seiten und war mehrfarbig. In mir hat diese Ausgabe den inbrünstigen Wunsch zurückgelassen, unser Buch soll ungefähr so aussehen. Allerdings bereits bei der Vorbereitungsarbeiten ist der Buchumfang auf das Dreifache angewachsen. Um das Mehrfache ist auch die Zahl der Illustrationen gestiegen. Nun können wir mit Recht behaupten, dass wir die Ausgabe, an der wir uns am Anfang orientiert haben, bei weitem übertroffen haben“, so der Schriftsteller.

Es ist gut möglich, dass das Buch bald auch in russischer Sprache erscheinen wird. „Wobei ich persönlich der Meinung bin, dass der belarussische Bürger in den Genuss des Buches in der Sprache kommen soll, der sich die handelnden Personen im Buch bedient haben, die die Geschichte von Weißrussland schrieben“, meint Wladimir Orlow. Wie dem auch sei, der Schriftsteller ist sich sicher, jegliche Zweifel bezüglich der Zugehörigkeit Weißrussland s zur gesamteuropäischen Geschichte entfallen, sobald sich der Leser „Das Land Weißrussland “ zu Gemüte geführt hat. Denn das Buch selbst ist ein unumstößlicher Beweis dafür.


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