Weißrussland - Die Ikone der Gottesmutter von Budslaw

Die Ikone der Gottesmutter von Budslaw

Ikone, die Hunderten von Menschen das Leben gerettet hat


Die Ikone der Gottesmutter von Budslaw – eine der verehrtesten katholischen Heiligtümer und dabei nicht nur in Weißrussland – befindet sich in der Kirche des Dorfes Budslaw Kreis Miadel Gebiet Minsk.

2004 feierte die katholische Kirche in Budslaw ihren 500. Jahrestag. Die Zahl der Pilger, die zur Feier (am 2. Juli) ankamen, betrug nach diversen Informationsquellen 20 bis 50 Tausend Menschen. So legte z.B. eine Pilgergruppe aus Pinsk 500 km Fußmarsch in 16 Tagen zurück. Und die Gläubigen aus Minsk haben den Weg bis zum Heiligtum gar radelnd hinter sich gebracht. Angeblich soll so was in der ganzen bisherigen Geschichte des Katholizismus noch nicht vorgekommen sein.

Im Jahre 1504 übergab König Alexander Jagiellonczyk den Bernhardinermönchen von Wilna ein Waldgrundstück, wo vier Mönche eine Hütte gebaut haben – eine Baude (zu Belarussisch: „budan“, „buda“). Davon kommt auch der Name Buda bzw. Budslaw (die erste Erwähnung geht auf den 7. September 1783 zurück).

Nun ein paar Worte über die Kirche selbst, die ein Denkmal der Architektur des späten Barocks ist. Das ist eine grandiose ( 50 m breit, 62 m lang) Dreischiffbasilika mit zwei Türmen und einer Kreuzkuppel, deren Architektur üppig mit Bauplastik versehen ist. Auf der hohen einwärts gerichteten Empore ist eine im Rokoko-Stil mit vergoldeten Schnitzereien verzierte Orgel eingerichtet. Der wichtigste künstlerisch-dekorative Akzent liegt auf dem hölzernen Hauptaltar, der tief in das Schiff eingebaut ist. Die Fresken wurden vom Künstler Antischewski gefertigt.

Und in der Nähe befindet sich die Kapelle der Heiligen Barbara (sie blieb von der ursprünglichen Ziegelkirche erhalten) mit dem einmaligen Holzaltar „Mariä Himmelfahrt“, der von dem Meister Peter Gramel 1649 ausgeschnitten wurde und ein Musterkunstwerk des früheren Barocks aus dem XVII. Jahrhundert ist. Sein zentraler Teil ist zweistöckig und flach, die Seitenteile laufen perspektivisch dem Mittelpunkt zu und sind in Form von korinthischen Säulen ausgeführt. Sie dienen als eine Kulisse für 20 Skulpturen in feierlichen Posen in Bogennischen und an den Gesimsen der geflügelten Giebel. Buntfarbige Kontrastvergoldung der Schmuckelemente (die groteske Verflechtung in Lockenringeln und Gewandungen der Engelköpfe, Löwen, Akanthusblätter, Pflanzenkapitellen und Schnecken) und des schwarz getönten Grundes, die Renaissance-Klarheit und Ausgeglichenheit der Komposition passen harmonisch zu den ausgeprägten Barock-Zügen wie etwa Geschwollenheit und Drapierungsreichtum des Bildhauerensembles. Die Barocksynthese der Kunst wird genial durch Malereien vervollständigt – durch die Galaportraits der Päpste Sixt IV. und V., Nikolaus IV., Alexander V.; die im XVII. Jahrhundert geschaffen wurden. In der Mitte des Zentralteils hat eine Ikone aus dem XVII. Jahrhunder ihren Platz. Vollendet wird der Altar durch die Skulpturen der Heiligen Peter und Paulus, zwischen den Aposteln ist ein Herz mit der Dornenkrone abgebildet.

Noch bevor die beschriebene Ikone in der Siedlung erschien, hatte sich dort ein Geschehnis ereignet, über das Chronist Tomasz Dygon 1588 in der Chronik „Praesidentia Budensis“ berichtete. Nach dem Zeremoniell der heiligen Traufe erblickte die Menge ein ungewöhnliches Licht, das vom Himmel herunter strömte und die Kapelle und Häuser erleuchtete. Nach zwei Tagen Fastenzeit und der täglichen Predigt erschien am Himmel eine Wolke, die das Licht auf die Kapelle und Mönchzellen ausstrahlte. In der Wolke offenbarte sich die Heilige Jungfrau Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm und von Engeln umgeben. Und das Wort erklang: „Von nun an werden der Ruhm unseres Herren und meines Sohnes und meine Obhut Euch für ewig versprochen…“.

„Seither (1588) wurden diese Stelle und Kapelle zur Quelle Gottes Segens und Wunder“ – so der Chronist.

Laut der kirchlichen Geschichte war der erste Besitzer der Ikone der Minsker Wojewode Jan Paz, der nach der Konvertierung aus dem Kalvinismus in den Katholizismus eine Wallfahrt nach Rom unternahm, diese Ikone im Jahr 1598 vom Papst Klemens VIII. erhielt und sie in der Kapelle seines Schlosses in Wilna platzierte. Dann ging die Ikone zu dem Kaplan Isaak Sokolaj über. Am Karsamstag 1613 gab während des Gottesdienstes in der Klosterkirche Budy Isaak den Bitten der Mönche nach und spendete die Ikone dem Gotteshaus. In der Furcht vor der Schändung des Heiligtums brachten die Mönche es während des Krieges zwischen Russland und Rzecz Pospolita (1654–1667) für einige Zeit nach Sokulka Gebiet Bialystok (das Territorium des modernen Polens).

Im Manuskript „Zodiakus auf Erden“ von 1650 erzählte Elevter Selejewitsch über mehr als vierzig Wunderheilungen und Wohltaten der römischen Ikone. Bei einem der Gespräche mit den Gemeindemitgliedern in Budslaw hörte der Vorsteher der Minsker Rotkirche Wladislaw Sawalnjuk die Geschichte darüber, wie 1941 die sich über die Städtchen zurückziehenden sowjetischen Truppen die Kathedrale in die Luft sprengen wollten. Auch die Zeit der Explosion stand schon fest – Morgen des 1. Julis. Als es den Menschen über den diabolischen Plan der Gottesleugner bekannt wurde, umzingelten sie die Kirche mit einem lebendigen Ring und beteten die ganze Nacht hindurch vor der Kirche. Bei Tagesanbruch am Vortag von Mariä Himmelfahrt gab es schon keine Truppen mehr in der Stadt. So haben die Menschen und die Ikone die Kirche gerettet.

Wie sieht nun das wundertätige Heiligenbild aus?

Die Ikone der Heiligen Jungfrau Maria wurde mit Öl auf einem bespannten Leinentuch von 72 х 65 cm gemalt. Auf der Rückseite des Leinens gibt es eine Überschrift von 1649 mit Angaben über die Herkunft der Ikone.

Dies ist ein Brustbild der Mutter Gottes, die auf dem linken Arm das Jesuskind hält und auf es mit linker Hand weist. Das Antlitz des Christuskindes ist zum Betrachter gewandt. In seiner Linken hält der Jesus einen Granatapfel, mit der erhobenen Rechten segnet er.

Der Beschlag reproduziert ziemlich genau die Drapierung des Originals: Er ist aus einem Bogen Silber, glatt im Hintergrund und gerippt bei Kleidung und Heiligenscheinen. Die Kante des Mantels der Gottesmutter zieren die Goldspitzen von reinstem Wasser. Einige Stellen des Beschlags sind vergoldet, um das Flair des Originals wiederzugeben. Die Häupter sind mit gewölbten Kronen, die mit Edelsteinen bestreut sind, bedeckt. Das ganze Bild ist in einen tiefen Schnitzrahmen von feinster Handarbeit eingenommen, der mit der Spitze aus vergoldetem Silber geziert ist.

…Im Juli 1991 wurde in Bialystok während der vierten Pilgerfahrt des Papstes Johannes Paul II. nach Polen ihm die Kopie der Ikone der Gottesmutter von Budslaw geschenkt. Die nach Belarus aus Rom gekommene Ikone wanderte nach fast 400 Jahren nach Rom zurück.


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