Menschen aus Minsk - Aleksandr Medwed

Aleksandr Medwed

Minsker Medwed


Von etwa 50 weißrussische Olympia-Siegern ist einer in allen Ecken und Winkeln der Erde bekannt. Der Ehreneinwohner von Minsk, Aleksandr Medwed, der dreimal das olympische Podest betrat, verdiente solche Anerkennung nicht nur dank seinen sportlichen Leistungen und seiner diplomatischen Verdiensten, sondern auch dank seiner menschlichen Eigenschaften.

Sascha Medwed war ein großer, linkischer Junge, und kaum jemand konnte sich in seiner Kindheit vorstellen, dass dieser Junge unversiegbare Energie und Kraft besitzte, wodurch er der stärkste Ringkämpfer der Welt wurde. Das selbständige Leben begann der legendäre Ringer 1954, als er als Schlosser in ein Flugzeugwerk eingestellt wurde. Im Jahre 1956 wurde er zur Sowjetarmee einberuft. Zufällig geriet der Einberufene ins Panzertruppenteil des Belarussischen Militärbezirks. Beim Militärdienst nahm Aleksandr oft an vielen Wettkämpfen in verschiedenen Sportarten teil. Aber er interessierte sich immer mehr für Sport der Tapferen und Ausdauernden - das Ringen. Bald lernte er seinen Trainer, den verdienten Trainer der UdSSR, Pawel Grigorjew, kennen. Medwed war ein ungewöhnlich begabter Ringer und die ersten Erfolg ließen sich nicht lange auf sich warten. Auf der Spartakiade der Völker der UdSSR 1959 erreichte er den dritten Platz ein. Nach der Entlassung aus dem Militärdienst trainierte der verdiente Trainer Boleslaw Rybalko mit Grigorjew Aleksandr weiter. Im Jahre 1961 lieferte der Minsker erfolgreich sein Debüt auf der Weltmeisterschaft in Yokohama (Japan), und seit diesem Jahr begann für ihn die Zeit der Siege auf Europa- und Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Im Jahre 1968 bei den Olympischen Spielen in Mexiko kämpfte Aleksandr Medwed im Finale gegen den bekannten deutschen Ringer Wilfrid Dietrich. Gleich im Beginn des Zweikampfes verrenkte sich Medwed den Daumen und verstand, dass er nun wegen Unmöglichkeit, den Zweikampf fortzusetzen, aus dem Ring verwiesen werden sollte. Aber er schaffte es, sich den Daumen einzurenken, und sah den Schiedsrichter so an, als ob nichts passiert wäre. Der zuckte verdutzt mit den Achseln und pfiff an. Aleksandr ging auf den Deutschen zu, als ob er zeigen wollte, dass ihn solche Kleinigkeiten nicht aus der Fassung bringen konnten. Der Deutsche war über dieser Kühnheit verwirrt und konnte sich nicht beherrschen. Der Belarusse musste sich nicht viel bemühen, um diesen Zweikampf für sich zu entscheiden.

Im olympischen Jahre 1972 fanden die Amerikaner Chris Taylor. Der Kerl war kein überragender Ringkämpfer, aber er wog nahezu zweihundert Kilo und sah wie ein Berg neben Medwed mit 100 Kg aus. Der Weißrusse Medwed verstand, dass er ständig auf der Hut sein musste. Hätte ihn Taylor einmal erwischt und niedergedrückt, so hätte sich Medwed kaum befreien können. Er drehte sich um den Amerikaner wie ein Brummkreisel, aber es brachte nichts. Und da macht der Belarusse den Griff von innen, Taylor wirft sein riesengroßes Bein beiseite, und Medwed hört, wie sein Kreuz “kracht”. Nur wie durch ein Wunder konnte sich der Belarusse vom Amerikaner losreißen. Medwed schaffte es jedoch, mit einem flinken Griff den Amerikaner zu besiegen. Aber die Rückenverletzung machte sich fühlbar. Und es gab da weitere Zweikämpfe. Die Verletzung musste irgendwie bewältigt werden. Die deutsche Nationalmannschaft hatte ein Betäubungsmittel, dessen Verkauf erst vor kurzem zugelassen wurde. Medwed erinnert sich:"Ich hatte den großen Wunsch, die dritte olympische Goldmedaille zu gewinnen. Und wenn man solchen Wunsch hat, so nutzt man alle Mittel aus. Wir erfuhren von dem neuen Präparat und nahmen mit Deutschen Kontakt auf. Wir boten für dieses Betäubungsmittel gutes Geld an. Aber sie lehnten ab und schlugen im Gegenzug vor, das Präparat gegen Kaviar auszutauschen. Man musste bei allen Mitgliedern unserer Auswahl zusammensammeln, um den Wunsch der Deutschen zu erfüllen. Zum Glück kam das Mittel mit Schmerzen zurecht, und ich wurde zum dritten Mal der olympische Sieger.”

Es sei darauf hinzuweisen, dass der äußerst reiche technische Arsenal Medweds bisher als Etalon bei Freistilringkämpfern betrachtet wird. “Griffe passte ich an mich an. Die sowjetische Ringenschule war doch vielfältig und gilt als weltbeste.“ Allerdings wurde sein Glanzgriff von vielen Kämpfern einfach gehasst. “Zum Beispiel, als ich meinen beliebten Schwung für den Unterarm machte, wurden viele Athleten nervös und gerieten außer sich. Einige Zeit später deuteten die Schiedsrichter diesen Griff als Schmerzgriff, deshalb musste ich schlau handeln.”, erinnert sich der dreifache olympische Sieger.

Es sei zu erwähnen, nach dem dritten olympischen Sieg wurde Aleksandr Wassiljewitsch vorgeschlagen, in die USA zu übersiedeln. Man bat viel Geld für die Teilnahme an verschiedenen Shows an. Aber er weigerte sich. “Es gibt viele Millionäre bei Ihnen in den USA, und ich Medwed bin eins in der Sowjetunion“. In der Tat wollte der namhafte Ringkämpfer die belarussische Hauptstadt, wo er sich eingelebt hatte, nicht verlassen. Aleksandr Wassiljewitsch erinnert sich oft daran, wie er die Wohnung erhielt. Schon in den 70er Jahren wurde ihm die Wohnung im Zentrum von Minsk neben dem Haus der Offiziere zugesagt. Aber während Medwed bei einem Wettkampf teilnahm, wurde die Wohnung einem Fussballspieler der Dynamo-Elf (Minsk) übergegeben. Zum Glück blieb der Freistilringer nicht lange obdachlos. Von diesem Problem erfuhr das damalige belarussische Oberhaupt Pjotr Mascherow. Er lud Medwed zu sich ein und erteilte den Befehl, dem berühmten Sportler eine Wohnung zu gewährleisten. Die Wohnung sollte sich unbedingt im Herzen der belarussische Hauptstadt befinden. Die Umgebung des Gorki-Parks entsprach den Erwartungen des belarussischen Republikleiters.

Es sei zu erwähnen, dass Medwed nicht nur im Teppich das Titel “dreifach” erzielen konnte. Im Alltag wird Aleksandr Wassiljewitsch scherzhaft der dreifache Großvater genannt. Die Tochter Elena und Sohn Aleksej haben ihm drei Enkel geschenkt. Der ältere Timofej hat die Fakultät für Wirtschaft an der Belarussische Staatlichen Universität für Informatik und Radioelektronik abgeschlossen. Der siebenjährige Nikita ist ein ABC-Schüler. Der jüngste Aleksandr ist erst drei Jahre alt. Aleksandr Wassiljewitsch sagt: “Ich weiß nicht, ob sie Ringkämpfer werden, aber Nikita und Sascha fragen mich ständig, wann ich sie Griffe beibringe. Mein Namensvetter will es besonders stark.“


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